Geschichtlicher Hintergrund der Waddabolla Weib’r Tischardt e.V.
Versteckt in Bäumen drinn im Tal,
umsäumt von Wald all überall,
liegst Du mein Heimatdorf so traut
im Blütenschmuck wie eine Braut.
Weltfern, aber nicht weltvergessen grenzt die Ortschaft an die Markungen von Nürtingen, Neuffen, Frickenhausen, Kohlberg, Grafenberg und Großbettlingen. Eine in Tischardt mündlich überlieferte, wohl nicht sehr alte Sage bringt die Entstehung des Ortes und seines Namens mit dem Herzog Ulrich von Württemberg (1503-1550) in Verbindung. Der Herzog soll einmal in dieser Gegend auf einer Steinplatte sein Jagdmahl verzehrt haben. Dabei habe er vergeblich versucht, sein Messer in die Steinplatte zu stecken und dann ausgerufen:
“ Der Tisch ist hart ” ! Die Anekdote ist zwar bezeichnend für die Volkstümlichkeit Herzog Ulrichs, an den sich in unserem Kreis so manche sagenhafte Erzählung knüpft, einen geschichtlichen Kern hat sie jedoch nicht. Der Ortsname (gesprochen ‚Dischert‘) geht in seinem zweiten Teil ohne Zweifel auf Hart (Wald) zurück. Dieses Bestimmungswort mag mit dem alten Flurnamen “bei dem Herrentisch” zusammenhängen. Auch die Ortsgründung liegt Jahrhunderte vor Herzog Ulrich.
Tischardt entstand als Waldrodesiedlung. Schon in dem 1304 angelegten Lagerbuch des Spitals der Reichsstadt Esslingen finden sich Geldeinkünfte , die der Spital von einer halben Mannsmahd Wiesen, genannt “Haiger”, in Tizart bezog. 1354 wird die Lage dieser Hellergült mit
“uf der Sulz im Grund unter Tyschart” beschrieben. Die Herstellung von Watte, die den Tischardtern den Spitznamen “WADDABOLLA” eingebracht hat,
hörte schon um 1900 auf, ebenso die Korsettweberei, die Leinenweberei und das Klöppeln von Spitzen. Neben einigen älteren bescheidenen Stiftungen zur Austeilung von Brot an Arme und zur Anschaffung von Schulbüchern für bedürftige Kinder mit insgesamt 206 Gulden Kapital, steht die bedeutendere Stiftung des in St. Louis (USA) verstorbenen Lehrers Fischer, eines Sohnes der Gemeinde. Er hinterließ den Armen des Dorfes ein Kapital von 1000 Dollar (2700 Gulden) mit der Bestimmung, die Zinserträge alljährlich an rechtschaffende Bürger der Gemeinde auszuzahlen. Vom Genuß dieser Stiftung sollten ausgeschlossen sein : Die Säufer, die Müßiggänger, die Haussierer sowie alle, die einen unehrlichen Handel trieben oder einen gottlosen Lebenswandel führten. Dies waren herbe Bedingungen für die Bürger einer armen Gemeinde, die zahlreiche Wattehaussierer in ihren Reihen zählte. Aus der alten Tradition der Watteherstellung ist - 100 Jahre später - die Narrenzunft der “WADDABOLLA WEIB‘R” entstanden.
Zusammenfassung der historischen Fassung über
Tischardt aus dem Heimatbuch des Kreises Nürtingen von
Prof.Dr. Schwenkel Band II, vom Kreisverband Nürtingen herausgegeben 1953. |